Chennai – die indische Metropole am Golf von Bengalen

Chennai ist die sechstgrößte Stadt Indiens und wurde im 17. Jahrhundert unter dem Namen Madras gegründet. Die Metropole liegt am Golf von Bengalen im Südosten des Landes.

Gegen Mitternacht landen wir in Chennai. Dank bereits erteiltem Visum und nach Erhalt des Einreisestempels und nochmaliger Kontrolle, ob alles seine Richtigkeit hat, erfolgt die Einreise problemlos. Unser Fahrer erwartet uns bereits und führt uns durch die schwüle Nachtluft zum Auto um uns zu unserem Hotel zu bringen. Jetzt, mitten in der Nacht, ist wenig Betrieb auf den Straßen. Auf der Fahrt zum Hotel bekomme ich einen Vorgeschmack: dürre Hunde laufen herum oder haben sich am Straßenrand zusammengerollt, ein paar Menschen liegen schlafend auf Fußwegen, es liegt viel Müll herum und die Straßen sind teilweise in sehr gutem Zustand, manche übersät mit Schlaglöchern. Unser Ziel ist das Leela Palace Hotel, wo wir nach dem obligatorischen Sicherheitscheck freundlich empfangen werden und uns über unser großes Zimmer mit Meerblick freuen.

Am nächsten Morgen weckt uns das Sonnenlicht und wir schauen auf die Fischerboote auf dem Meer und sehen ein paar Fischer in der Lagune am Hotel.

Wir erkunden kurz das Hotel und drehen ein paar Runden im Pool im 4. Stock. Anschließend genießen wir das überaus vielfältige Frühstücksbüffet mit mehreren Show Küchen und hervorragenden frischen Produkten. Unser Fahrer ist dann wieder pünktlich zur Stelle und fährt uns durch die Stadt.

Millionenmetropole in den Tropen
Chennai liegt im nördlichen Teil des indischen Bundesstaates Tamil Nadu an der Koromandelküste. Die Millionenmetropole wird vom Adyar-und vom Cooum-Fluss durchflossen, die unweit des Stadtzentrums in den Golf von Bengalen münden. 4,6 Millionen Einwohner wurden anlässlich der letzten Volkszählung im Jahr 2011 gezählt. Doch die Stadt wächst rasant und platzt aus allen Nähten. Ob heute 6 Millionen Menschen oder schon 7,5 Millionen in ihr leben, weiß niemand genau. Chennai liegt in der tropischen Klimazone und die Luft ist zu jeder Jahreszeit heiß und stickig. Bis auf 38 °C klettert das Thermometer im Mai, manchmal liegen die Temperaturen oberhalb der 40-Grad-Marke. Nur gelegentlich sorgt eine frische Brise vom Meer für eine kurze Abkühlung. Jetzt im Oktober sind es um die 30° C was für uns gut zu ertragen ist, nur die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt für schweißtreibende Momente.

In den permanent überfüllten Straßen Chennais herrscht dichtes Gedränge. Verkehrsregeln scheinen überflüssig, ebenso wie Straßenmarkierungen. Motorisierte Dreiräder, besser bekannt als Tuk-Tuks, liefern sich in dem Gewühl Wettrennen mit knatternden Mopeds und Motorrädern. In halsbrecherischen Manövern überholt unser Fahrer Pkws, um kurz darauf eine Vollbremsung wegen eines schwer beladenen Lasters hinzulegen, der die Straße kreuzt. Menschen und Tiere überqueren ebenfalls ständig die Straßen. Wie durch eine unsichtbare Regie passiert jedoch nichts und alles fügt sich nahtlos ein. An die Abgase haben sich die Einwohner gewöhnen müssen, uns fällt es schwer. Atemmasken würden die Staubpartikel ohnehin kaum aus der benzindunstgeschwängerten Luft filtern können. Wie eine Glocke legt sich an windstillen Tagen der Smog über Chennai.

Marina Beach: Treffpunkt und Flaniermeile am Meer
Unser erster Halt ist am Leuchtturm am Marina Beach. Wer Zeit und Muße hat, flieht aus dem Stadtzentrum, um am feinsandigen Marina Beach tief durchzuatmen. Der 13 km lange Sandstrand ist die „Attraktion“ der Millionenmetropole und einer der längsten Strände der Welt. Marina Beach beginnt an der Mündung des Flusses Cooum, in der Nähe des Fort St. George. Das Festungsbollwerk ließ die britische Kolonialmacht im Jahr 1640 erbauen. Heute hat die Regionalregierung von Tamil Nadu ihren Sitz hinter den wuchtigen Mauern.

Marina Beach wird vor allem in den Abendstunden und am Wochenende zu einem quirligen Treffpunkt für die Stadtbewohner. Auf dem Weg zum Strand quetschen sich die Besucher an unzähligen Buden und Verkaufsständen vorbei. Es herrscht ein Gedränge wie auf einem türkischen Basar. Verkauft werden Ketten aus Blüten, den die Frauen als Haarschmuck tragen, Plastikspielzeug für die Kinder und Schalen mit Melonen- Orangen- und Bananenstücken. Familien mit Kindern flanieren am Strand entlang, bevor sie sich ein Plätzchen am Strand suchen und auf den Einbruch der Dunkelheit warten. Nur Baden geht trotz der tropischen Temperaturen niemand. Das Wasser ist zu stark verschmutzt. Nach unseren Maßstäben ist der Strand leider kein Ort, an dem wir uns gerne aufhalten. Schmutz, Abfälle und schlechte Gerüche vermiesen den Aufenthalt. Wir besuchen lediglich den Leuchtturm um uns das Ganze von oben anzusehen. Es gibt einen Aufzug in den 9. Stock, der die Besucher zum umlaufenden Aussichtsbalkon bringt. Hier sind wir allerdings die Attraktion, man bittet um Selfies mit uns. Das wird uns noch häufig passieren. Einen Teil des Strandes nehmen die Fischer ein. Hier reiht sich Bude an Bude und auch am Nachmittag hofft man noch auf Kunden für die ungekühlt ausliegenden Fische.

Video Marina Beach Chennai
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Video-Link: //youtu.be/gB9kg-ZrfCI

Einige Besucher sind offenbar überrascht, dass der Strand auch als Toilette benutzt wird und und äußern sich verärgert darüber. Dies als Unsitte und schlechtes Benehmen abzustempeln ist jedoch zu einfach: Armut und religiöse Gründe führen zu diesem Zuständen. Dazu muss man wissen, dass in Indien mehr als 500 Millionen Menschen keine eigene Toilette haben. Strände werden daher seit jeher als Ort dafür genutzt. Die Gezeiten wirken als natürliche Entsorgung. Wo es keinen Meereszugang gibt, werden Felder genutzt. Häufig wird das Trinkwasser mit Abwasser und Fäkalien verschmutzt und viele Menschen sterben an Durchfallerkrankungen.

Es gibt in Indien heutzutage mehr Handys als Toiletten und die Regierung arbeitet mit der Welttoilettenorganisation (die gibt es wirklich) daran, dieses Problem mit einer Hygienekampagne zu beheben. Hier habe ich einen sehr interessanten Artikel zu diesem Thema gefunden: //www.zeit.de/2015/20/hygiene-indien-toiletten-mangel/komplettansicht

Zwischen Slums und Luxushotels
Chennai ist eine Stadt der Gegensätze. Auf der einen Seite luxuriöse 5-Sterne-Paläste wie das Vivanta by Taj Connomera, das Leela Palace oder das ITC Grand Chola, in dem wir unsere letzte Nacht verbringen und auf der anderen Seite bittere Armut. Kaum ein Einwohner der privilegierten Stadtteile nimmt Notiz von den halb verfallenen Holzhütten in den Slums am Ufer des Adyar-Flusses. Dabei liegen sie nur einen Steinwurf von den funkelnden Glaspalästen der Luxusherbergen entfernt. Wie seit Jahrtausenden ist der Fluss die Lebensader der dort siedelnden Menschen. Er dient als Waschplatz für die Wäsche und Badeort, obwohl die Abwässer ungeklärt in den Fluss geleitet werden. Auch aus unserem opulenten Luxushotel blicken wir auf eine der ärmeren Siedlungen gleich in der Nachbarschaft. Auf engem Raum gibt es dort zwei christliche Kirchen, eine Moschee und 3 Hindu-Tempel, wenigstens scheint das Zusammenleben zu funktionieren. Chennai ist eine Stadt der Kontraste und manchmal, wie am Madras High Court aus dem Jahr 1892, überstrahlt der Glanz der indo-sarazenischen Kolonialarchitektur sowohl das Elend in den Slums als auch das Luxusleben in den 5-Sterne-Palästen.

Ein elitäres Relikt aus der Kolonialzeit ist auch der exklusive Madras Club, der im Jahr 1832 gegründet wurde und in dem noch heute strenge Regeln herrschen. In diesem legendären Club verbringen wir mit Freunden einen Abend im hervorragenden Restaurant. Es gibt sogar Bier und andere alkoholische Getränke – aber das ist eine andere Geschichte.

Nach zwei Tagen Chennai reisen wir weiter nach Cochin im Bundesstaat Kerala. Dort wollen wir 3 Tage verbringen: Fort Kochi besichtigen, eine Hausboot-Tour mit Übernachtung auf den Backwaters bei Alappuzha machen und einen Tag in der Flamingo Marari Villa in Strandnähe verbringen.