Cochin – Indiens kosmopolitische Hafenstadt

Cochin ist eine kosmopolitische Metropole am Arabischen Meer im Südwesten Indiens. Im 17. Jahrhundert stieg die Hafenstadt zum bedeutendsten Handelsort an der indischen Westküste auf. Heute ist der Stadteil Fort Kochi ein beliebtes Reiseziel und kann mit einer Tour auf den Backwaters kombiniert werden.

Chennai – Cochin
Mit Spicejet fliegen wir von Chennai nach Cochin um drei Tage in Kerala zu verbringen. Varun von der Flamingo Marari Boutique Villa hat uns im Vorfeld alles perfekt organisiert: von der Abholung am Flughafen bis zum Rücktransfer nach drei Tagen Aufenthalt. Wir kommen gegen Mittag in Cochin an und unser Fahrer Aneesh ist zur Stelle, um uns nach Fort Kochi zu bringen. Uns fällt sofort auf, wie grün hier alles ist. Wir fahren an Cochin vorbei und erhaschen nur einen Blick auf die Skyline in der Ferne.

Cochin: Schmelztiegel der Kulturen
Cochin (früher Kochi) ist die zweitgrößte Stadt im indischen Bundesstaat Kerala. Die letzte Volkszählung im Jahr 2011 ergab eine Einwohnerzahl rund 600.000. Der exponierten Lage am Arabischen Meer mit einem natürlichen Hafenbecken verdankt die Stadt ihren wirtschaftlichen Aufstieg im 17. Jahrhundert. Die Portugiesen gründeten im Jahr 1502 eine Handelsniederlassung an der Lagune. Unter den portugiesischen Kolonialherren befand sich mit Vasco da Gama der Seefahrer, der den Seeweg nach Indien entdeckte, indem er mit seiner Flotte das Kap der Guten Hoffnung umrundete.

Im Jahr 1663 eroberten die Niederländer die Hafenstadt und bauten sie zum bedeutendsten Handelsstützpunkt an der indischen Westküste aus. Gewürze wie Pfeffer, Zimt, Kardamom und Vanille sowie Seide und Elfenbein wurden von hier in die ganze damals bekannte Welt verschifft. Der Wohlstand übte große Anziehungskraft auf Bewohner aller Herren Länder aus und Cochin wurde zum Schmelztiegel der Kulturen. Chinesische Kaufleute ließen sich ebenso in der Hafenstadt nieder wie arabische Händler und europäische Kolonisten. Obwohl die Bevölkerung heute überwiegend aus Hindus besteht, ist Cochin Bischofssitz der römisch-katholischen Diözese Cochin und verfügt über einen Bevölkerungsanteil an Moslems, Buddhisten, Christen, Juden und Sikhs. Wir sehen eine erstaunlich hohe Anzahl von christlichen Kirchen auf unseren Touren. Aneesh kennt sie alle und einige besichtigen wir.

Aneesh benutzt einen Schleichweg um die trubeligen Hauptverkehrsstraßen der Stadt zu meiden. Wir fahren von der Insel Bolgatty mit einer Fähre direkt nach Fort Kochi. Nach dem Einchecken im Hotel Old Lighthouse Bristow verlieren wir keine Zeit und machen uns nach einer kurzen Erfrischung und einem Snack auf Erkundungstour in Fort Kochi mit Aneesh.

Fort Kochi – das koloniale Altstadtviertel
Das koloniale Altstadtviertel Fort Kochi erstreckt sich auf einer Halbinsel in der Lagune. Noch heute werden die weitestgehend autofreien Gassen von Gebäuden im portugiesischen Kolonialstil dominiert. An manchen hat der Zahn der Zeit kräftig genagt, andere sind renovierte Schmuckstücke. Das Altstadtviertel wartet mit einer Attraktion der besonderen Art auf: Die Kirche der Franziskaner wurde im Jahr 1503 aus Holz errichtet und rund 50 Jahre später durch einen Steinbau ersetzt. Sie ist die älteste von Europäern errichtete Kirche in Indien. In ihr wurde Vasco da Gama nach seinem Tod im Jahr 1524 beigesetzt. Der Leichnam wurde später nach Lissabon überführt, der Grabstein befindet sich noch heute an Ort und Stelle.

Die Altstadt Fort Kochi wird von zahleichen Kanälen durchzogen. Überall geben Uferplätze, die von Schatten spendenden Bäumen gesäumt werden, den Blick auf die Lagune frei. Im Nordwesten erstreckt sich sogar ein Sandstrand, wo hölzerne Fischerboote am Ufer liegen und Kühe im Schatten dösen. Auf der Nordspitze der Halbinsel befindet sich eine weitere Attraktion: Die berühmten Netze der chinesischen Fischer. Alten Überlieferungen zufolge sollen sie bereits im 13. Jahrhundert von Kaufleuten aus dem Reich der Mitte mitgebracht worden sein. Die Netze hängen an schweren Holzkonstruktionen und kommen nach starken Regenfällen bei steigendem Hochwasserpegel zum Einsatz. Sie sind heute viel besucht und in der Nähe haben sich Verkaufsstände, Restaurants und Cafés angesiedelt. Später, unterwegs beim Handere chinesische Fischernetze, die wir weit attraktiver finden.

Wir besichtigen den „Dutch Palace“, ein Museum, das die Kunst der Hindus sowie einige Porträts, Geschichten und Relikte der Rajas (Könige) von Cochin zeigt. Leider ist es nicht klimatisiert, so dass wir irgendwann völlig durchgeschwitzt abbrechen.

Wir bummeln durch das alte jüdische Viertel wo es viele nette, kleine Shops gibt. So gut wie alle Verkäufer sprechen uns an und versuchen, uns in ihren Laden zu bekommen. Sie sind dabei sehr höflich und lassen uns auch in Ruhe, wenn wir weiter gehen. In manchen Läden werden wir fündig. Die Preisverhandlungen sind manchmal etwas zeitraubend, aber das ist Teil des Spaßes beim Shopping in Indien 🙂

Zurück im Hotel trinken wir erstmal ein Kingfisher Bier auf der Terrasse mit Blick auf die Hafeneinfahrt. Später beim Abendessen in unserem Hotelrestaurant genießen wir einen farbenfrohen Sonnenuntergang mit Blick auf die ein- und ausfahrenden Schiffe und Fischerboote.

Tropisches Klima in Cochin
Cochin liegt in der tropischen Klimazone. Die Tagestemperaturen ändern sich im Jahresvergleich nur geringfügig. Die höchsten Werte werden im Februar und März erreicht. Dann klettert das Thermometer auf mehr als 35 °C und eine drückende Schwüle legt sich über die Stadt. Abkühlung bringen auch die Monsunregenfälle ab April kaum. Wochenlang stürzen enorme Wassermassen vom Himmel und lassen den Wasserstand in der Lagune bedrohlich ansteigen. Im August klingen die Regenfälle langsam ab, um im September mit dem Eintreffen des Nordostmonsuns erneut anzusteigen. Für eine erfrischende Abkühlung sorgt außerhalb der Regenzeit ein Bad im Arabischen Meer. Vypeen und Cherai Beach sind bei Einheimischen beliebte Strände. Auf Vypeen Island erhebt sich zudem ein portugiesisches Festungsbollwerk aus dem 16. Jahrhundert. Dafür haben wir keine Zeit, denn am nächsten Tag geht es weiter in die Villa Flamingo Marari.

Auf dem Highway 66 nach Mararikulam
Gleich nach dem Frühstück ist Aneesh wieder da. Er hat bei einem Freund im Ort übernachtet. Nachdem wir noch in dem schönen Shop von Fabindia eingekauft haben, geht es auf der Küstenstraße in Richtung Süden nach Mararikulam. Aneesh zeigt uns auf der Fahrt dorthin noch einige schöne Orte, wie die bereits erwähnten Fischernetze am kleinen Hafen am 

Aneesh’s Vater ist Fischer und wir machen einen Abstecher zu „seinem“ Fischerhafen, dem Chellanam Harbour, wo gerade mächtig viel Betrieb ist. Die eingelaufenen Fischerboote haben üppigen Fang gemacht und die Ware wird sofort am Strand versteigert. Die Arbeit der Fischer ist schwer. Aneesh hilft seinem Vater, wenn er keine Touren hat. Die Boote sind mit jeweils 20 Männern besetzt und nur mit ihrer Muskelkraft holen sie die schweren Netze ein.

Auch einige der unzähligen prächtigen Kirchen bekommen wir unterwegs gezeigt. Aneesh ist katholisch und weiß viel über sie. Von der Küstenstraße kann man die Küste nur sehr selten sehen, denn sie ist quasi komplett bebaut. Nur hin und wieder erhaschen wir einen Blick auf das Meer. Gegen Mittag erreichen wir die Villa Flamingo Marari und werden herzlich von Varun empfangen. Nach einer kleinen Führung durch das Anwesen beziehen wir unser schönes ruhiges Zimmer, genießen den Pool und das köstliche Essen und entspannen bei einer ayurvedischen Massage, die ein paar Häuser weiter angeboten wird.

Auch dem nahegelegenen Strand statten wir einen Kurzbesuch ab. Außer ein paar Fischern sind wir weit und breit die einzigen Besucher. Es sieht nach Unwetter aus. Der Wind peitscht uns den Sand an die Beine und wir halten wir uns nicht lange hier auf. Im Garten der Villa Flamingo ist es dann doch angenehmer. Der Regen lässt nicht lange auf sich warten. Bei den tropischen Temperaturen ist das eine willkommene kleine Abkühlung.

Flamingo Marari Villa und Umgebung
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Video-Link: //www.youtube.com/watch?v=Ume5De_pays

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Alappuzha. Dort werden wir mittags einschiffen und eine Hausboot Tour durch die Backwaters machen.

 


Links:

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