Backwaters Kerala – amphibisches Naturparadies im Süden Indiens

Im Südwesten Indiens, südlich der Hafenstadt Cochin, erstreckt sich mit den Backwaters in Kerala eine amphibische Landschaft von faszinierender Schönheit. Das Naturparadies liegt im Hinterland der Malabarküste und ist ein Ort, an dem Mensch und Natur im Einklang leben.

Ein Wasserlabyrinth und weiße Traumstrände unter tropischer Sonne
Die Backwaters in Kerala erstrecken sich parallel zur Küste des Arabischen Meeres zwischen den Städten Cochin und Alappuzha. Weiße Traumstrände gibt es auch, wenn auch nicht direkt in dem Süßwasserlabyrinth. 41 der 44 Flüsse münden in das Arabische Meer. Sie fächern sich im Mündungsgebiet in unzählige Einzelarme auf, die idyllische Lagunen bilden. Hier liegen sie: Weiße Traumstrände mit Puderzuckersand unter tropischer Sonne. Wer mit dem Boot anreist, nimmt zunächst den schwachen Salzgeruch in der Luft wahr. Erst später verrät das Wellenrauschen, dass das Meer nicht mehr weit entfernt sein kann. Vor über 500 Jahren landete der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama an der üppig bewachsenen Malabarküste. Auch er muss von dem paradiesischen Flair in Indiens Gewürzgarten zutiefst beeindruckt gewesen sein. Nicht umsonst heißt Kerala auch „God’s own country“. Die Gegend um Mararikulam ist heute noch sehr ursprünglich. Doch Kerala ist der indische Bundesstaat mit der zweitgeringsten Armutsrate. Bildung, Gesundheitswesen und Einkommen liegen über dem Durchschnitt in Indien. Die landschaftliche Schönheit zieht Urlauber aus Indien und zunehmend aus der ganzen Welt an. Die Lagunen, Seen und Kanäle der Backwaters, die langen Sandstrände und der Periyar-Nationalpark in den Westghats sind besonders beliebt.

Da wir gegen Mittag auf unserem Hausboot einchecken sollen, haben wir noch Zeit um Alappuzha (früher Alleppey) zu erkunden. Unser Fahrer Aneesh bringt uns zum Leuchtturm, der 1862 erbaut wurde und als Hauptattraktion des Ortes gilt. Er hat es sogar auf eine Briefmarke geschafft, ebenso wie der Leuchtturm von Mahabalipuram an der Ostküste, den wir ein paar Tage später auch noch sehen werden. Für 50 Rupien Eintritt (Fotografieren mit Kamera kostet 10 Rupien extra, Handy ist kostenlos) dürfen wir auf das Gelände und den Leuchtturm sowie das kleine Museum besuchen. Wir müssen die Schuhe ausziehen und klettern die steile Treppe hinauf. Von oben bietet sich ein weiter Blick auf das Meer mit dem zerstörten Pier und über üppige Vegetation, aus der hier und da ein Kirchturm, ein Minarett oder eine Antenne herausragt. Der Pier wurde im Jahr 1862 erbaut und hat den Naturgewalten nicht standgehalten.

Touristisch hat sich bezüglich der Erschließung der Backwaters in den letzten Jahrzehnten einiges getan. An vielen Orten werden Kajaks verliehen und in Alappuzha und Kollam werden Hausboote vermietet. Der Begriff Hausboot ist etwas irreführend, denn eigentlich handelt es sich um alte Reiskähne aus Holz, die mit ein paar Aufbauten zu einer schwimmenden Unterkunft umgebaut wurden. Die bis zu 15 m langen „Kettuvalams“ wurden ohne einen einzigen Metallnagel zusammengebaut und dienten den Einwohnern früher als Transportmittel. Kokosnüsse, Reis, Zimt und Pfeffer wurden damit einst in die Städte gebracht, wo die Waren verkauft wurden. Heute gibt es hunderte dieser Hausboote, die für Touren gemietet werden können.

Bananenchips in Alappuzha
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Video-Link: //youtu.be/ocvtjb6oSNk

Auf dem Weg zum Boot stoppen wir noch an einem Laden. Wir sehen, wie die leckeren Kerala Bananenchips hergestellt werden. Sie werden mit vielen verschiedenen Gewürzen pikant bis scharf gewürzt. Dazu werden auch eine Art süße Geleefrüchte angeboten. Nach Verkostung kaufen wir 2 große Tüten und dann geht es zum Treffpunkt für das Hausboot. Man erwartet uns bereits und sofort können wir in ein kleines Boot einsteigen, das uns zum Hausboot bringt. Wir sind überrascht, als wir „unser“ Hausboot für 2 Personen beziehen: es ist riesig, 2-stöckig und hat im oberen Bereich ein Sonnen- und Aussichtsdeck mit bequemen Liegestühlen im vorderen Bereich, oberhalb des Kapitänsbereichs. Rundherum stehen gepolsterte Bänke. Zugelassen ist es für 25 Erwachsene und 3 Kinder :-). Im unteren Bereich steht ein großer Esstisch und ebenfalls gepolsterte Bänke an den Seiten. Die Besatzung besteht aus Kapitän und Koch. Der Koch zeigt uns unser Schlafzimmer mit Bad. Das Bad hat eine Badewanne und fließendes warmes Wasser, das Schlafzimmer hat eine Klimaanlage, die allerdings nur angeschaltet wird, wenn das Schiff ankert. Dann gibt es Strom vom Ufer. Die Küche gefällt mir. Sie ist blitzblank und aufgeräumt und der junge Koch macht sich auch gleich daran, das Mittagessen vorzubereiten.

Mein Lieblingsplatz ist jedoch der Ausguck auf dem Sonnendeck. Von hier zieht das Leben an den Kanälen an uns vorbei. Die Boote auf dem Wasser transportieren alle möglichen Güter, es gibt Boote für die Schulkinder, die von Ordensschwestern begleitet werden und auch die Linienfähre, die Cochin mit Aleppey verbindet sehen wir immer wieder an einer der vielen Anlegestellen. Viele andere Hausboote sehen wir auch. Man winkt und grüßt sich. Ab und zu fallen Regentropfen und der leichte Fahrtwind ist in der drückenden Schwüle sehr angenehm.

Backwaters Kerala: Kokospalmen und Lagunen
Land der Kokospalmen“ bedeutet Kerala in der wörtlichen Übersetzung. In den Backwaters bekomme ich einen Eindruck, was damit gemeint ist. Grüner Dschungel bildet die Uferbegrenzung in dem amphibischen Naturparadies im Südwesten Indiens. Aus der üppigen Vegetation ragen unzählige Kokospalmen mit ihren charakteristisch gebogenen Stämmen auf. Dunkel schimmert das Wasser in den Kanälen und Seen, wenn die tief stehende Sonne am späten Nachmittag ihre letzten Strahlen zur Erde schickt.

Die Backwaters erstrecken sich auf einer Fläche von 1.900 km² an der indischen Südwestküste. Das Wasserparadies besteht aus 29 großen Seen, 44 Flüssen, unzähligen Kanälen und einer Vielzahl an Lagunen. Ein Teppich aus Wasserhyazinthen bedeckt viele Wasserstraßen und Kanäle. Reiher staksen in den seichten Uferregionen durch das Wasser, immer auf der Suche nach Krebsen und Muscheln. Hin und wieder flattert ein Eisvogel mit metallisch blau glänzendem Gefieder vorbei und plötzlich aus dem Wasser springende Fische lassen erahnen, dass in der Tiefe ein Räuber auf Beutejagd ist.

Unterwegs mit Hausboot oder Kajak
Ein paar Stunden auf dem Wassergefährt und man scheint angekommen in einem Land der langsam fließenden Zeit. Mit einer Geschwindigkeit von 5 km/h tuckern die Hausboote durch das Labyrinth an Wasserstraßen. Langsam gleiten Palminseln in kleinen und großen Seen vorbei. Sanft geschwungene Buchten, in denen Frauen in bunten Saris Wäsche oder Geschirr waschen, wechseln sich mit dschungelartiger Vegetation ab, die bis an die Wasserkante reicht. Hin und wieder blitzt in Ufernähe die kunterbunt getünchte Fassade eines Wohnhauses oder eines Shops im grünen Dickicht auf. Der Fluss ist die Lebensader der Menschen: Nahrungsquelle, Badezimmer und Transportweg.

Wir werden an Bord üppig mit typischen Gerichten Keralas versorgt. In einem kleinen Laden am Kanal kaufen wir noch große Garnelen und Mangosaft für das Dinner und unser Koch besorgt sogar 2 Flaschen Bier für uns! Zum Mittagessen ankern wir kurz, dann geht es gemächlich weiter. Die Bebauung wird spärlicher und wir ziehen an Reisfeldern mit großen Vogelschwärmen vorbei.

Kurz vor der Dämmerung machen wir an einem Ankerplatz fest, an dem wir mit ein paar anderen Hausbooten die Nacht verbringen werden. Wir kommen mit den Nachbarn ins Gespräch und werden dann auch mit indischer Pop Musik versorgt. Wir nutzen das letzte Tageslicht, um an Land zu gehen und uns die Beine zu vertreten. Auf dem schmalen Damm zwischen Reisfeldern und Kanal leben und arbeiten die Menschen. Kleine Geschäfte und ein Ayurveda-Massage Center warten auf Kunden. Zurück an Bord bekommen wir das Abendessen serviert. Wir schwätzen noch ein wenig von Reling zu Reling mit den Nachbarn bevor wir schlafen gehen. Nachts dürfen die Motorboote nicht fahren. So liegt unser Boot ruhig am Ufer und nichts stört die Idylle.

Mit Sonnenaufgang werden alle gleichzeitig munter. Es regnet und wir sind froh, ein Dach über dem Kopf zu haben. Das Frühstück ist wie die anderen Mahlzeiten liebevoll zubereitet und sehr üppig. Wir packen schon mal unsere Sachen und dann legen wir auch schon ab und es geht zurück nach Alappuzha.

Aneesh wartet schon am Anlegeplatz auf uns und wir fahren wieder zur Flamingo Marari Villa. Der Besitzer Varun hat uns ein Tageszimmer reserviert, da unser Flug nach Chennai erst am Abend ist. So haben wir prima Zeit, um unterwegs noch etwas Sightseeing zu machen. Wir besuchen den Thiruvilaku Kshethram Hindu-Tempel. Danach den Kidangamparambu Sree Bhuvaneswari Temple und zu guter Letzt noch die Holy Family Church in Aneeshs Wohnort.

Das Tageszimmer ist klasse. So können wir vor dem vorbestellten Mittagessen noch in den Pool und uns dann in aller Ruhe in unserem Zimmer für die Abreise fertig machen. Wir haben noch Zeit, mit Varun über unsere Familien, die Arbeit und Gott und die Welt zu reden, dann geht es auf die 2-stündige Fahrt zum Flughafen Cochin. Wir hoffen sehr, dass es uns wieder einmal nach Kerala in die Flamingo Marari Villa verschlägt. Das ist für uns ein absoluter Wohlfühlort. Auf jeden Fall möchte ich Varuns geplantes neues Ayurveda Hotel besuchen.

Spicejet bringt uns zurück nach Chennai und wir fahren vom Flughafen direkt weiter nach Mahabalipuram, in ein Beach Resort an der Koromandelküste im Süden des Golfs von Bengalen, wo wir die nächsten Tage verbringen werden.

 


Links: Youtube Video über den Kidangamparambu Sree Bhuvaneswari Temple