Mahabalipuram: UNESCO-Weltkulturerbestätte an der Koromandelküste

Rund 15.000 Menschen leben in der Kleinstadt Mahabalipuram im Süden Indiens. Neben samtweichen Traumstränden hat der Ort mit dem Küstentempel einen wertvollen archäologischen Schatz zu bieten, der im Jahr 1985 von der UNESCO in die Welterbeliste aufgenommen wurde.

Nach unserer Tour auf den Backwaters in Kerala kehren wir zurück an die Ostküste Indiens und verbringen noch ein paar Tage am Strand im InterContinental Chennai Mahabalipuram Resort. Das Resort liegt direkt an einem ruhigen und penibel gepflegten Strandabschnitt, so dass man hier auf Sonnenliegen relaxen kann oder auch kleine Strandspaziergänge machen kann. Einige Gäste wagen sich sogar in die Wellen. Wir sehen Delphine vorbei schwimmen und genießen die Ruhe. Von einem Naturphänomen bin ich begeistert: zigtausende Libellen schwirren herum. Sie haben in der Umgebung mit den Lagunen und Feuchtgebieten offenbar beste Lebensbedingungen und schlüpfen in dieser Jahreszeit. Dazu gesellen sich Schmetterlinge und auch die Jäger finden sich ein, schließlich können sie jetzt reiche Beute machen. Die großen Libellenschwärme treten immer im Oktober auf und interessanterweise machen sich Tausende Libellen zu einem Flug von hier bis auf die Malediven auf den Weg und von dort weiter nach Ostafrika, wo sie Ende Oktober und im November ankommen.

Libellen am Strand bei Mahabalipuram
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Video-Link: //youtu.be/sqMz9fNtpQo

Das Resort hat eine strenge Zen Architektur, die Ruhe vermitteln soll, ohne überflüssige Deko. Wir bekommen einen eigenen Guest Relations Manager zugeteilt, der sich täglich mehrmals bei uns zeigt und uns behilflich sein möchte. Die angebotene Essensauswahl ist phänomenal, sogar Mortadella aus Italien wird fachgerecht dünn aufgeschnitten angeboten. Der Schwerpunkt liegt aber auf indischer und generell asiatischer Küche. Hier machen auch viele japanische Familien Urlaub. Uns gefällt es.

Tagesausflug nach Mahabalipuram
Es regnet leicht, was uns sehr willkommen ist, weil die Temperaturen so erträglicher sind und die Sonnenbrandgefahr kleiner ist. Wir werden schließlich meistens draußen sein während der Erkundung der verschiedenen Tempel und Sehenswürdigkeiten im Ort. Mahabalipuram (übrigens auch Mamallapuram genannt) ist für die kunstvollen Arbeiten seiner Steinmetze bekannt. Schon als wir in die Nähe der Stadt kommen, sehen wir viele Läden und Werkstätten mit Skulpturen am Straßenrand. Leider ist der Transport dieser beeindruckenden Kunstwerke nicht ganz einfach, so dass wir uns mit der Besichtigung des Skulpturen Museums begnügen.

Die Tempelstadt der Pallava-Dynastie
Vor 1.500 Jahren, lange bevor die ersten Europäer den Fuß auf den indischen Subkontinent setzten, herrschte im Süden Indiens die Pallava-Dynastie. König Narasimhavaram, der als besonders gläubig galt, fasste im 8. Jahrhundert einen kühnen Plan. Die Felslandschaft bei Mahabalipuram sollte komplett umgestaltet werden. Tempel sollten aus dem Granitgestein geschlagen werden und fortan religiösen Menschen als Pilgerort und Begegnungsstätte dienen. Wie viele Jahrzehnte Hunderte Steinmetze an der Verwirklichung des Plans arbeiteten, ist nicht überliefert. Dass die Tempelstadt im 8. Jahrhundert schließlich fertiggestellt wurde, ist der Verdienst Tausender geschickter Hände, die von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang das harte Felsgestein bearbeiteten.

Der Küstentempel von Mahabalipuram ist die älteste Tempelanlage Südindiens. Er steht am goldbraunen Sandstrand der Koromandelküste und beherbergt in seinem Inneren einen Schrein, der dem Gott Shiva geweiht ist. Shiva verkörpert eine der wichtigsten Gottheiten im Hinduismus. Gemeinsam mit den Gottheiten Brahma und Vishnu bildet er eine religiöse und spirituelle Einheit. So verwundert es nicht, dass ein Nebenschrein im Küstentempel dem Gott Vishnu gewidmet ist. Der Tempel hat mehr als 1.200 Jahre in unmittelbarer Küstennähe überdauert. Einst bestand der Komplex aus sieben Tempeln, die sich auf einer Länge von zehn Kilometern an der Küste entlanggezogen haben. Zum Schutz des einzigartigen Kulturgutes wurden Felsblöcke als Wellenbrecher an der Seeseite aufgetürmt.

Hier beginnen wir unsere Tour. Wir lösen das Eintrittsticket für 500 Rupien pro Person und sofort ist ein Mann am Auto, der uns seinen Dienst als Führer anbietet. Er betont, dass er englisch spreche, qualifiziert sei und wir weniger gestört werden, wenn wir ihn anheuern. Wir ziehen es jedoch vor, uns zunächst alleine umzusehen. Auf dem Tempelgelände findet gerade ein Fotoshooting mit einem Paar statt, ansonsten sind wir alleine am Tempel und können ihn von allen Seiten in Ruhe anschauen. Ein Wachmann hält sich dezent im Hintergrund. Auf dem Rückweg zum Auto kaufen wir eine kleine Broschüre über alle Sehenswürdigkeiten in Mahabalipuram, die wir auf unserem weiteren Weg gut gebrauchen können. Wir fahren dann weiter zu den „Fünf Rathas“. Das Ticket gilt für alle Kulturerbestätten im Ort.

Rathas: Die 5 Felstempel
Südlich des Stadtzentrums von Mahabalipuram erheben sich die „Fünf Rathas“. Die Felstempel verdanken ihren Namen der Form, die große Ähnlichkeit mit einem Prozessionswagen hat. Entstanden sind die monolithischen Tempel im 7. Jahrhundert. In mühevoller Handarbeit wurden sie von Steinmetzen aus einem Felsblock geschlagen. Jeder Tempel hat eine andere Form. Mit einem auffälligen Tonnendach ist der Bhima-Ratha verziert, während der Dharmaraja- und der Arjuna-Ratha eher an eine Stufenpyramide erinnern. Einer bäuerlichen Hütte mit Strohdach ähnelt der Draupadi-Ratha. Vor dem Tempel stehen zwei kleine Steinskulpturen, die die Form von Elefanten besitzen. Elefanten sind in Form von Skulpturen in Indien allgegenwärtig. Auch der Tempelkomplex der „Fünf Rathas“ wird von einem lebensgroßen Steinelefanten „bewacht“, der von den Besuchern wie eine Gottheit verehrt wird.

Dann geht es weiter zum am höchsten gelegenen Tempel der Stadt in der Nähe des Leuchtturms. Wir kommen mit ein paar anderen Besuchern ins Gespräch und lächeln in deren Handys für die obligatorischen Selfies mit uns. Wir sehen schon von weitem „Krishna’s Butter Ball“. Der runde Felsbrocken ist mit Abstand der beliebteste Ort im ganzen Areal für Selfies. Die Menschen sitzen, knien oder stehen vor dem beeindruckenden Koloss, was auf Fotos bedrohlich aussieht. Es heißt, dass der Gouverneur von Madras eine Gefahr sah, der Felsen könne herunter rollen und Schaden anrichten. Er wollte ihn im Jahr 1908 mit Hilfe von mehreren Elefanten wegziehen – jedoch bewegte sich der Felsen keinen Zentimeter. So liegt er also noch heute wie schon seit mehr als Tausend Jahren und ist der heimliche Star auf dem Gelände.

Das größte Felsrelief der Welt
Eine weitere Attraktion in Mahabalipuram ist das größte Felsrelief der Welt, das zu den bedeutendsten Kunstwerken dieser Art weltweit gehört. Es stammt aus dem 7. Jahrhundert und trägt den Namen „Herabkunft der Ganga“. Gezeigt wird in unzähligen Einzelszenen die Entstehung des Flusses Ganges, der bei den Indern als heilig verehrt wird. Auf einer Fläche von 33 x 12 m haben die Künstler vor mehr als 1.300 Jahren Szenen des dörflichen Alltags und Bilder von Gottheiten im Gestein verewigt. Im Mittelpunkt steht der Ganges, an dessen Ufern Wildtiere, Götter und Menschen zusammentreffen, um ein Bad in den heiligen Fluten zu nehmen – ein Ritual, das in Indien selbst in der Gegenwart noch praktiziert wird.

Das Relief liegt an der Straße auf der wir zurück zum Ausgangspunkt schlendern und so haben wir einen sehr guten Blick darauf. Nach den letzten Fotos bemerken wir unseren wartenden Fahrer, der uns bereits entgegegen gekommen ist. Wir erlösen ihn und fahren zurück zum Hotel.

Den Rest des Tages verbringen wir im Intercontinental Beach Resort.

Gelegentlich hören wir Böller – das Lichterfest Diwali findet gerade statt und in 2 Tagen ist der Höhepunkt. Ein Feiertag, der mit Feuerwerk aller Art und Lichtern gefeiert wird. Die Jugend macht Party und auch Alkohol soll im Spiel sein. Im Hotel selbst gibt es keinen Alkohol. Man erklärt uns, dass dies gesetzlich verboten ist, weil es im Radius von 500 Metern an einer Schnellstraße liegt. Die Regierung hat den „Highway Alcohol Ban“ wegen der häufigen schweren Unfälle  beschlossen und es darf kein Alkohol in diesem Radius ausgeschenkt oder verkauft werden. Dies gilt absurderweise auch für unser 5-Sterne Hotel. Es wird bereits daran gearbeitet, den Eingang zu verlegen, so dass es nicht mehr unter diese Regelung fällt. Typisch indischer Einfallsreichtum 🙂 Der oberste indische Gerichtshof hat inzwischen geklärt, dass diese Regelung (immerhin) innerörtlich nichtig ist, sondern nur auf Verbindungsstraßen zwischen Orten gilt.

Am nächsten Tag wollen wir uns Puducherry ansehen, die ehemalige Hauptstadt Französisch-Indiens weiter südlich von hier, am Golf von Bengalen gelegen. Dafür wird ein Permit benötigt, das unser Fahrer bereits besorgt hat. Mit einem kleinen Abstecher über den legendären Ort Auroville genießen wir die Fahrt auf der East Coast Road an der Küste entlang durch diesen ländlichen Abschnitt mit kleinen Ortschaften. In Puducherry ist die Hölle los, weil alles auf den Beinen ist, um für den bevorstehenden Feiertag Besorgungen zu machen. Wir schauen uns die Strandpromenade mit der Mahatma Ghandi Statue an und lassen uns durch das angrenzende alte, französisch angehauchte, Viertel treiben. So bekommen wir einen Eindruck von dieser Stadt mit ihrer besonderen Geschichte in der ehemaligen britischen Kolonie.

Am Abend sind wir wieder zurück in unserem friedlichen Hotel. Den letzten Tag verbringen wir im Resort. Auch hier wird Diwali gefeiert. Abends wird am Strand eine Bar (mit Mock-Cocktails) aufgebaut und ein kleines Feuerwerk veranstaltet.

Mahabalibpuram - Diwali, Feuerwerk am Strand

Ich freue mich, dass wir die Gelegenheit haben, diesen Feiertag mitzuerleben bevor es zurück nach Chennai und nach Hause geht.

 


Links: BBC: Longest insect migration